Spezialisierte Einsatzkräfte trainieren für außergewöhnliche Schadenslagen
Spezialisierte Einsatzkräfte trainieren für außergewöhnliche Schadenslagen
BRK-Einsatzkräfte aus Kaufbeuren, Marktoberdorf und Pfronten bereiten sich beim TeamCamp ehrenamtlich auf komplexe Einsatzlagen im Bevölkerungsschutz vor
Ostallgäu – Wenn bei einem schweren Unwetter, einem größeren Unglück oder einer anderen außergewöhnlichen Schadenslage viele Menschen gleichzeitig medizinische Hilfe benötigen, reichen die Strukturen des regulären Rettungsdienstes unter Umständen nicht mehr aus. Für solche Situationen hält das Bayerische Rote Kreuz zusätzliche ehrenamtliche Einsatzkräfte und Einheiten des Bevölkerungsschutzes vor.
Rund 15 dieser Einsatzkräfte aus dem BRK-Kreisverband Ostallgäu trainierten beim ersten gemeinsamen TeamCamp im Freizeithaus Eschers bei Obergünzburg für genau solche Lagen. Sie gehören den Schnelleinsatzgruppen Behandlung und Transport der BRK-Bereitschaften Kaufbeuren, Marktoberdorf und Pfronten an.
Was dabei oft nicht auf den ersten Blick sichtbar ist: Diese Einsatzkräfte engagieren sich ehrenamtlich. Sie absolvieren ihre Ausbildungen und Übungen zusätzlich zu Beruf, Familie und Alltag und stehen im Einsatzfall für die Bevölkerung zur Verfügung. Auch das TeamCamp selbst wurde vollständig ehrenamtlich konzipiert, vorbereitet und durchgeführt.
Medizinische Hilfe bei größeren Schadenslagen
Die Einheiten des Fachdienstes Sanitätsdienst sind Teil des Bevölkerungsschutzes und damit deutlich mehr als der häufig mit dem Begriff „Sanitätsdienst“ verbundene Sanitätswachdienst bei Veranstaltungen.
Die Schnelleinsatzgruppe Behandlung ist darauf vorbereitet, bei einem größeren Patientenaufkommen zusätzliche Strukturen zur medizinischen Versorgung aufzubauen und zu betreiben. Die Schnelleinsatzgruppe Transport stellt zusätzliche Kapazitäten für die medizinische Betreuung und den Transport von Patienten bereit. Gemeinsam ergänzen sie bei größeren Schadenslagen die regulären Strukturen des Rettungsdienstes.
Je nach Lage können mehrere dieser Einheiten zu einem größeren taktischen Verband zusammengeführt werden. Genau dies wurde beim TeamCamp umgesetzt: Für das Übungswochenende bildeten die beteiligten Einheiten gemeinsam einen Sanitätszug.
Ein solcher Verband soll auch bei länger andauernden und schwierigen Einsatzbedingungen arbeitsfähig bleiben. Im Szenario des TeamCamps bedeutete das: bis zu 72 Stunden Einsatzdauer und insbesondere in der Anfangsphase die Fähigkeit, weitgehend eigenständig zu arbeiten und auch die Versorgung der eigenen Einsatzkräfte sicherzustellen.
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Beim TeamCamp trainierten rund 15 Einsatzkräfte aus Kaufbeuren, Marktoberdorf und Pfronten gemeinsam für außergewöhnliche Schadenslagen. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Versorgung von Notfallpatienten, realitätsnahe Einsatzszenarien und das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten. Foto: Marvin Gorke-Effenberger -
Beim TeamCamp trainierten rund 15 Einsatzkräfte aus Kaufbeuren, Marktoberdorf und Pfronten gemeinsam für außergewöhnliche Schadenslagen. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Versorgung von Notfallpatienten, realitätsnahe Einsatzszenarien und das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten. Foto: Marvin Gorke-Effenberger -
Beim TeamCamp trainierten rund 15 Einsatzkräfte aus Kaufbeuren, Marktoberdorf und Pfronten gemeinsam für außergewöhnliche Schadenslagen. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Versorgung von Notfallpatienten, realitätsnahe Einsatzszenarien und das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten. Foto: Marvin Gorke-Effenberger
Ein Wochenende als zusammenhängende Einsatzlage
Unter dem Motto „Bereit für außergewöhnliche Schadenslagen“ wurde das gesamte Wochenende als zusammenhängendes Einsatzszenario gestaltet.
Die angenommene Lage: Ein schweres Sturmereignis trifft weite Teile Süddeutschlands und angrenzende Regionen. Straßen und Verkehrswege sind teilweise blockiert, die Infrastruktur ist beeinträchtigt und zahlreiche Einsatzkräfte sind bereits gebunden.
Schon vor Beginn des TeamCamps erhielten die Teilnehmer schrittweise Informationen über die sich verschärfende Wetter- und Einsatzlage. Schließlich folgte der fiktive Marschbefehl für die Einheiten. Fahrzeuge und Material mussten vorbereitet und die Einsatzbereitschaft hergestellt werden. Anschließend verlegten die Kräfte in den angenommenen Bereitstellungsraum im Bereich Eschers.
Damit begann die Übung bewusst nicht erst mit dem ersten Patienten. Auch Vorbereitung, Anfahrt, Führung, Unterkunft und die Organisation eines über längere Zeit eingesetzten Verbandes gehörten zum Trainingskonzept.
Freitag: Auftrag, Einsatzbereitschaft und Autarkie
Am Freitagabend stand zunächst der gemeinsame Blick auf die Aufgaben im Bevölkerungsschutz im Mittelpunkt. In einer offenen Workshop- und Gesprächsrunde beschäftigten sich die Teilnehmer damit, welche Aufgaben die BRK-Bereitschaften bei außergewöhnlichen Schadenslagen übernehmen, welche Fähigkeiten dafür benötigt werden und was persönliche Einsatzbereitschaft bedeutet.
Ein wichtiger Bestandteil war dabei auch die Frage, wie sich ein Einsatzverband in einer großflächigen Schadenslage möglichst autark versorgen kann. Denn wer über viele Stunden oder sogar mehrere Tage anderen Menschen helfen soll, muss auch die Versorgung der eigenen Mannschaft von Beginn an mitdenken.
Neben Themen wie Unterkunft, Energieversorgung und persönlicher Ausstattung wurde deshalb insbesondere die Einsatzstellen- und Notverpflegung praktisch behandelt. Die Teilnehmer bereiteten gemeinsam besondere Notverpflegung für Einsatzkräfte zu und konnten diese direkt selbst probieren.
Damit wurde bereits am Freitag deutlich: Einsatzfähigkeit bedeutet nicht nur, über medizinisches Material, Fahrzeuge und ausgebildetes Personal zu verfügen. Ein Verband muss auch in der Lage sein, seine eigene Arbeitsfähigkeit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.
Samstag: Patientenversorgung unter erschwerten Bedingungen
Am Samstag wechselte das TeamCamp vollständig in den praktischen Übungsbetrieb.
In einem ersten Szenario musste der Sanitätszug unter eingeschränkten infrastrukturellen Bedingungen eine Versorgungsstelle für Notfallpatienten aufbauen und betreiben. Angenommen wurde, dass Patienten aus umliegenden Gemeinden zugeführt werden und aufgrund begrenzter Transportmöglichkeiten teilweise länger vor Ort versorgt werden müssen.
Die Einsatzkräfte mussten die eintreffenden Patienten beurteilen, medizinisch versorgen, Prioritäten festlegen und deren weiteren Transport organisieren.
Für eine möglichst realistische Darstellung sorgten vorbereitete Patientenszenarien mit sich verändernden Vitalwerten und Krankheitsverläufen. Dadurch entwickelte sich die Lage während der Übung kontinuierlich weiter und verlangte von den Einsatzkräften immer wieder neue Entscheidungen.
Ein zweites Szenario führte die Teilnehmer ins Gelände. Nach dem Sturm wurde eine Wandergruppe vermisst. Mehrere Personen waren durch umgestürzte Bäume und herabfallende Äste verletzt worden. Die Einsatzkräfte erkundeten den Bereich, fanden die Verletzten, führten eine Ersteinschätzung und lebensrettende Sofortmaßnahmen durch und brachten die Patienten aus dem gefährdeten Bereich in eine eingerichtete Patientenablage. Dort erfolgten die weitere Stabilisierung, ärztliche Sichtung, Dokumentation und Vorbereitung für den Transport.
Die beiden Übungsszenarien machten deutlich, worauf es bei außergewöhnlichen Schadenslagen ankommt: klare Strukturen, eingespielte Abläufe, Eigenständigkeit und das Zusammenspiel verschiedener Einheiten und Qualifikationen.
Realitätsnah trainieren – gemeinsam besser werden
Ein besonderer Schwerpunkt des TeamCamps lag auf einem möglichst realitätsnahen Training. Die Teilnehmer sollten nicht lediglich vorgegebene Abläufe abarbeiten, sondern innerhalb des Szenarios selbst Entscheidungen treffen und auf Veränderungen reagieren.
Begleitet wurden die praktischen Übungen durch sogenannte Einsatzcoaches. Sie unterstützten die Teilnehmer dabei, das eigene Vorgehen anschließend gemeinsam zu reflektieren und Erfahrungen unmittelbar in das weitere Training mitzunehmen.
Das Feedback zum ersten TeamCamp fiel sehr positiv aus. Besonders die zusammenhängende Einsatzgeschichte, die realitätsnahen Übungssituationen und die Verbindung aus Fachtraining, Eigenverantwortung und Teambuilding wurden von den Teilnehmern positiv aufgenommen.
Auch der Austausch zwischen unterschiedlich erfahrenen Einsatzkräften spielte dabei eine wichtige Rolle. Gemeinsame Übungen, Nachbesprechungen, die Unterbringung vor Ort und die Zeit außerhalb des eigentlichen Übungsbetriebs boten Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und als Mannschaft weiter zusammenzuwachsen.
Michael Triebel, Kreisfachdienstleiter Sanitätsdienst im BRK-Kreisverband Ostallgäu, trug die federführende Gesamtverantwortung für Konzeption und Durchführung des TeamCamps. Für ihn bestätigt das Wochenende den eingeschlagenen Weg in der Ausbildung der Einsatzkräfte:
„Ich bin sehr stolz auf die Leistungsbereitschaft unserer Einsatzkräfte. Das Wochenende war ein großer Erfolg für unsere gemeinsame Weiterentwicklung. Mit welchem Engagement sich diese Menschen in ihrer Freizeit ausbilden, trainieren und auf schwierige Einsatzlagen vorbereiten, verdient meinen vollen Respekt. Gleichzeitig hat dieses Wochenende gezeigt, was wir als Gemeinschaft bereits erreichen können, wenn jeder seine Fähigkeiten einbringt.“
Die gewonnenen Erfahrungen sollen nun in die weitere Entwicklung des Fachdienstes im Kreisverband einfließen. Nachdem in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen und gemeinsame Standards geschaffen wurden, soll künftig noch stärker das praktische Training unter realistischen Einsatzbedingungen im Mittelpunkt stehen.
Ein TeamCamp, das seinen Namen verdient
Dabei war das TeamCamp nicht nur während der Übungen eine Teamleistung. Auch hinter den Kulissen wäre ein Trainingswochenende auf diesem Niveau ohne zahlreiche ehrenamtliche Unterstützer nicht möglich gewesen.
Die Konzeption und Gesamtorganisation lag beim Fachdienst Sanitätsdienst. Tatkräftige Unterstützung bei Planung und Umsetzung kam unter anderem von Jochen Fritsch, SEG-Führer der BRK-Bereitschaft Marktoberdorf und seinem Team.
Eine entscheidende Rolle spielten außerdem die Notfalldarsteller, die sogenannten Mimen. Sie stellten Verletzte und Erkrankte realitätsnah dar und ermöglichten es den Einsatzkräften dadurch, nicht nur einzelne medizinische Maßnahmen zu üben, sondern komplette Einsatzabläufe unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren.
Von der Entwicklung der Rahmenlage und der einzelnen Szenarien über die Vorbereitung der Patientendarstellungen und Übungsunterlagen bis hin zu Organisation, Logistik, Übungssteuerung und Durchführung entstand das Wochenende so als gemeinsames ehrenamtliches Projekt vieler Beteiligter.
„Der Name TeamCamp hat für mich deshalb eine doppelte Bedeutung“, so Triebel. „Wir wollen unsere Einsatzkräfte als Team weiterentwickeln. Gleichzeitig wäre das gesamte Wochenende ohne die vielen Menschen, die sich bei Vorbereitung und Durchführung eingebracht haben, überhaupt nicht möglich gewesen. Genau diese Bereitschaft, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, zeichnet unser Ehrenamt aus.“
Verstärkung gesucht – Einstieg bereits Anfang November möglich
Damit diese Einsatzbereitschaft auch künftig gewährleistet werden kann, suchen die BRK-Bereitschaften im Ostallgäu weitere motivierte Menschen, die sich ehrenamtlich im Bevölkerungsschutz engagieren möchten.
Medizinische Vorkenntnisse sind für einen Einstieg nicht zwingend erforderlich. Wichtig sind Interesse an der Aufgabe, Freude an Teamarbeit und die Bereitschaft, sich ausbilden zu lassen und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.
Aktuell bietet sich dafür sehr kurzfristig eine gute Gelegenheit: Bereits Anfang November ist gegebenenfalls ein direkter Einstieg in die Sanitätsausbildung möglich. Sie vermittelt wichtige medizinische Grundlagen für die weitere ehrenamtliche Tätigkeit und bildet eine Basis für den späteren Einsatz in den Einheiten.
Wer neugierig geworden ist und sich vorstellen kann, künftig selbst Teil einer Schnelleinsatzgruppe zu werden, kann sich unverbindlich bei der Kreisbereitschaftsleitung des BRK Ostallgäu informieren.
Kontakt:
Kreisbereitschaftsleitung BRK Ostallgäu
E-Mail: kbl.oal@brk.de
Das TeamCamp hat gezeigt, was Bevölkerungsschutz in der Praxis ausmacht: gut ausgebildete Einsatzkräfte, verlässliche Strukturen und Menschen, die bereit sind, ihre Freizeit zu investieren, gemeinsam zu trainieren und Verantwortung zu übernehmen, wenn andere ihre Hilfe brauchen.