55 Jahre Gulielminetti: Ein Jubiläumsfest voller Herz und Erinnerungen
55 Jahre Gulielminetti: Ein Jubiläumsfest voller Herz und Erinnerungen
Festlicher Gottesdienst, bewegende Worte und persönliche Geschichten – Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Ehrengäste feiern im voll besetzten Festzelt das 55-jährige Bestehen des BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheims in Marktoberdorf
Marktoberdorf. Draußen regnete es nahezu ununterbrochen, doch im großen, festlich geschmückten Zelt im Garten des BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheims Gulielminetti war davon kaum etwas zu spüren. Die zahlreichen Bierzeltgarnituren waren bis auf den letzten Platz besetzt, die Stimmung herzlich und die Freude über das gemeinsame Feiern überall zu erkennen. Mit einem rundum gelungenen Festakt beging das Gulielminetti kürzlich sein 55-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Aus 55 Jahren Kraft schöpfen, mutig in die Zukunft“ wurde der Tag zu einer besonderen Begegnung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Durch das Programm führte Einrichtungsleiterin Renate Dauner, die seit 30 Jahren an der Spitze des Hauses steht. Mit spürbarer Freude, persönlichen Worten und viel Herzlichkeit begrüßte sie die Bewohnerinnen und Bewohner, deren Angehörige, zahlreiche Ehrengäste sowie die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Dass das Wetter nicht mitspielte, nahm sie mit Humor: „Wir haben ein großes Herz und das spüren wir hier in diesem Raum. Und das Wetter ignorieren wir.“
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Bis auf den letzten Platz gut besucht: Im festlich geschmückten Zelt im Garten des Gulielminetti feierten Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende und Ehrengäste das 55-jährige Bestehen. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Tatkräftige Unterstützung durch die ehrenamtliche BRK-Bereitschaft aus Kaufbeuren: Die zahlreichen Helferinnen und Helfer trugen wesentlich zum erfolgreichen Ablauf der Jubiläumsfeier bei. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Einrichtungsleiterin Renate Dauner bedankte sich auf der Bühne bei den Mitarbeitenden aus den verschiedenen Bereichen, die mit ihrem Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann beim Fassanstich, der den geselligen Teil der Jubiläumsfeier einleitete. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Bei der Essensausgabe wurden die Gäste mit herzhaften Speisen versorgt. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Mit Herzlichkeit, Humor und persönlichen Worten führte Einrichtungsleiterin Renate Dauner durch den Festakt zum 55-jährigen Bestehen des Gulielminetti. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Der evangelische Pfarrer Klaus Dinke-Gassert (links) und der katholische Pfarrer Norbert Marxner gestalteten gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst zum 55-jährigen Jubiläum des Gulielminetti. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Eine herzliche Umarmung nach der Ansprache: BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann und Einrichtungsleiterin Renate Dauner beim Festakt zum 55-jährigen Jubiläum des Gulielminetti. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Landrat Bernd Stapfner würdigte in seinem Grußwort die Bedeutung des Gulielminetti für die Region und dankte den Mitarbeitenden für ihren täglichen Einsatz. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Einrichtungsleiterin Renate Dauner (links) und Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Michael Eichinger bei der Übergabe der Präsente während des Festakts. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Schauspieler und Theaterregisseur Stefan Zimmermann erinnerte mit Humor und bewegenden Geschichten an seine Zeit als Zivildienstleistender im Gulielminetti im Jahr 1979. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen -
Werner Engelhardt, Vorsitzender der Bewohnervertretung im Gulielminetti, sprach beim Festakt im Namen seiner Mitbewohnerinnen und Mitbewohner. Foto: Claus Tenambergen / Marketingagentur Tenambergen
Ein Gottesdienst im Zeichen der Menschlichkeit
Den feierlichen Auftakt bildete ein ökumenischer Gottesdienst, den der evangelische Pfarrer Klaus Dinke-Gassert und sein katholischer Amtskollege Norbert Marxner gemeinsam gestalteten.
Besonders eindrucksvoll war die Ansprache von Klaus Dinke-Gassert, der die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter aufgriff und einen passenden Bezug zum Gulielminetti herstellte. Im Mittelpunkt stand die Botschaft, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein zu lassen, sondern ihnen mit Mitgefühl, Aufmerksamkeit und tatkräftiger Unterstützung zu begegnen. Genau diese Haltung werde im Gulielminetti täglich gelebt, machte der Geistliche deutlich. Wer hier einziehe, dürfe auf „verlässliche Pflege, verlässliche Fürsorge“ vertrauen. Dabei gehe es nicht allein um die Versorgung, sondern auch um persönliche Zuwendung und das Vertrauen, das zwischen den Menschen entsteht. So würdigte Dinke-Gassert zugleich die Arbeit der Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen, die diesen Gedanken Tag für Tag mit Leben erfüllen.
Anerkennung und Dank für 55 Jahre Fürsorge
BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann erinnerte daran, dass das 50-jährige Jubiläum während der Corona-Pandemie nur in sehr eingeschränktem Rahmen gefeiert werden konnte. Umso größer sei die Freude darüber, dass die Initiative für das diesjährige Fest aus dem Kreis der Mitarbeitenden gekommen war.
Hofmann betonte, dass das Gulielminetti von einem starken Netzwerk getragen werde. Dazu gehörten neben dem Personal und den Ehrenamtlichen auch Angehörige, Kirchengemeinden, Vereine, Schulen und zahlreiche weitere Unterstützer. „Sie und wir sind ein großes Netzwerk. Es ist keiner von uns allein“, brachte er den Gedanken des Zusammenhalts auf den Punkt. Besonders hob Hofmann die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Marktoberdorf hervor, die Eigentümerin des Gebäudes ist. Gemeinsam seien in den vergangenen Jahren verschiedene Modernisierungen umgesetzt worden, weitere Aufgaben stünden bevor.
Landrat Bernd Stapfner würdigte die Bedeutung des Seniorenwohn- und Pflegeheims für die Region. Angesichts des demografischen Wandels seien Einrichtungen wie das Gulielminetti unverzichtbar. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der freundlichen Atmosphäre und dem Engagement der Mitarbeitenden. „Dass die Stimmung passt, das fühlt man gleich“, sagte Stapfner und dankte auch Renate Dauner ausdrücklich für ihre inzwischen 30-jährige Leitungstätigkeit.
Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Michael Eichinger verband sein Grußwort mit einer persönlichen Erinnerung. Als ehemaliger Mitarbeiter des Gulielminetti erzählte er von seiner ersten Begegnung mit einer Bewohnerin, die trotz Regen unbedingt draußen sitzen bleiben wollte. Was ihn zunächst verwundert hatte, wurde für ihn bald zum Ausdruck der Selbstbestimmung und der besonderen Haltung im Haus.
Eichinger unterstrich zudem, dass die älteren und pflegebedürftigen Menschen nicht am Rand, sondern mitten in der Stadtgesellschaft ihren Platz hätten. „Die Menschen, die hier im Gulielminetti-Haus sind, die sind zentral in Marktoberdorf und das soll auch so bleiben“, betonte er. Für die geleistete Arbeit sprach er allen Beschäftigten im Namen der Stadt seine Anerkennung aus und sicherte auch für die kommenden Herausforderungen die Unterstützung Marktoberdorfs zu.
Der Podcast - 55 Jahre BRK Seniorenwohn- und Pflegeheim Gulielminetti, ein Zuhause m. Geschichte und Menschlichkeit
Stefan Zimmermann erinnert an seine Zeit als Zivildienstleistender
Einen besonderen Höhepunkt bildete der Auftritt von Stefan Zimmermann. Der Schauspieler, Theaterregisseur, Autor und Produzent war 1979 als Zivildienstleistender ins Gulielminetti gekommen und kehrte nun nach 47 Jahren zurück, um von dieser prägenden Zeit zu erzählen.
Mit viel Humor und bemerkenswerter Detailtreue nahm Zimmermann die Gäste mit in die späten 1970er-Jahre. Er erinnerte an eine Welt ohne Smartphones und Internet, an den damaligen Pflegealltag und vor allem an die Menschen, denen er während seines Dienstes begegnet war. „Ich könnte manche von ihnen tatsächlich heute noch mit ihrem Namen ansprechen“, erzählte er. Viele Gesichter und Lebensgeschichten seien ihm bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben.
Eine besondere Rolle spielte dabei die damalige Heimleiterin Ingeborg Luther, die selbst Schauspielerin gewesen war. Sie erkannte Zimmermanns künstlerische Begabung und ermutigte ihn, für die Bewohnerinnen und Bewohner kleine Theater- und Gesangsauftritte zu gestalten. Mit seinen Erinnerungen an diese Aufführungen sorgte er auch beim Jubiläum für heitere Momente.
Berührend wurde es, als Zimmermann aus einem Abschiedsbrief zitierte, den ihm Ingeborg Luther 1980 geschrieben hatte. Darin bestärkte sie ihn auf seinem weiteren Lebensweg und brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass er seine besonderen Fähigkeiten eines Tages beruflich einsetzen werde.
Zimmermann dankte auch dem heutigen Team für seine anspruchsvolle Arbeit. Pflege und Betreuung bedeuteten weit mehr als die tägliche Versorgung. „Die Arbeit in der Pflege und Betreuung ist anspruchsvoll, fordernd und unglaublich wertvoll zugleich“, betonte er. Sie schenkten den Menschen Würde, Respekt, Geborgenheit und Lebensfreude. Auch Renate Dauner würdigte er persönlich für ihre langjährige Arbeit.
Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen zu Wort
Dass das Gulielminetti für die dort lebenden Menschen weit mehr als eine Pflegeeinrichtung ist, machte Werner Engelhardt deutlich. Der Vorsitzende der Bewohnervertretung sprach im Namen seiner Mitbewohnerinnen und Mitbewohner und brachte deren Verbundenheit mit dem Haus zum Ausdruck. „Dieser Ort ist für uns ein zweites Zuhause. Hier fühlen wir uns wohl und wahrgenommen“, sagte Engelhardt und verband seine Worte mit dem Wunsch, dass dies auch in Zukunft so bleiben möge. Anschließend wurde gemeinsam die Gulielminetti-Hymne gesungen. Der musikalische Beitrag unterstrich einmal mehr den familiären Charakter der Jubiläumsfeier.
Ein großes Dankeschön an Haupt- und Ehrenamtliche
Besondere Aufmerksamkeit widmete Renate Dauner den Menschen, die das Fest ermöglicht hatten. Sie holte zahlreiche Leitungskräfte und Mitarbeitende aus den verschiedenen Bereichen auf die Bühne und gab ihnen Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen. Dabei wurde sichtbar, wie viele unterschiedliche Berufsgruppen im Gulielminetti zusammenwirken. „So eine Festlichkeit wie heute passiert nicht einfach so schnell. Es kann nur passieren, wenn viele ehrenamtliche und hauptamtliche Hände zusammenkommen“, machte Dauner deutlich.
Ein besonderer Dank galt auch der ehrenamtlichen BRK-Bereitschaft aus Kaufbeuren unter der Leitung von Christina Hoffmann. Mit großem Engagement unterstützten die Helferinnen und Helfer die Veranstaltung und trugen wesentlich dazu bei, dass die zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohner gut betreut wurden und den Festtag unbeschwert genießen konnten.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Gulielminetti-Team und der Bereitschaft zeigte eindrucksvoll, wie wichtig das Ehrenamt innerhalb der Rotkreuz-Gemeinschaft ist. Ohne diese tatkräftige Unterstützung wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung kaum zu bewältigen gewesen.
Ein Fest, das in Erinnerung bleibt
Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Nach dem offiziellen Programm warteten bayerische Spezialitäten und Getränke auf die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Gäste. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Stadtkapelle Marktoberdorf unter der Leitung von Thomas Wieser. Mit dem traditionellen Fassanstich durch BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann erhielt die Feier einen weiteren geselligen Akzent.
Was diesen Tag besonders machte, war neben dem abwechslungsreichen Programm vor allem die Atmosphäre. Überall waren Mitarbeitende und ehrenamtliche Helfer im Einsatz, kümmerten sich aufmerksam um die Bewohnerinnen und Bewohner, begleiteten sie zu ihren Plätzen und sorgten dafür, dass es ihnen an nichts fehlte.
So wurde das 55-jährige Jubiläum nicht nur zu einem Rückblick auf die Geschichte des Gulielminetti, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen dafür, was das Seniorenwohn- und Pflegeheim seit mehr als fünf Jahrzehnten auszeichnet: Menschlichkeit, Zusammenhalt und ein großes Herz für die Menschen, die hier leben.